Alpenchallenge 2006

129 Pässe in 6 Tagen…

Immer wieder haben Slim und ich mit grossem Interesse den Bericht über die Alpenchallenge im Töff gelesen. Plötzlich kommt die Frage auf: ist das etwas anderes wie unsere Touren nach Italien? Wird dort mehr angegast? Können wir das auch, was die Teilnehmer der Alpenchallenge in einer Woche abspuhlen? Werden wir zwei „Frankreich-Meider“ doch noch den Spass an den Strassen der „Grand Nation“ finden?

Wir entschliessen uns an der Alpenchallenge 2006 teilzunehmen und uns selbst ein Bild zu machen.

Schon auf der Anreise zum Treffpunkthotel im Wallis, nehmen wir den Umweg über den Susten, die Autobahn währe zu langweilig gewesen. Dementsprechend treffen wir auch als letzte im Hotel ein und gleich kommt die erste Überraschung. Rechnete ich doch mit 70% BMW GS Fahrern, so stehen aber auf dem Hotelhof nur deren 3 Stück! Von der Harley Sportster bis zur KTM Supermoto ist eine gemischte Motorradvielfahlt auf dem Hof versammelt. Nur die Supersportler sind zu Hause geblieben, was sich im Laufe der Tour als weise Entscheidung entpuppt, mit Stummellenker und bretthartem Fahrwerk ist die Tour nicht zu überleben!

Abends dann der grosse Moment: Roadbook Nummer 1 wird ausgeteilt! Für die neuen Teilnehmer wie mich stellt sich die grosse Frage: kann ich nach Roadbook fahren oder übertrage ich die Strecke auf die Karte und navigiere nach alt Vater Sitte? Slim nimmt sich vor, die Route in sein GPS einzuprogrammieren, haben wir doch grosse Erfahrung im Navigieren mit GPS und Karte. Ich schiesse noch ein Bild mit der Digicam von der Aufgehängten Karte, um die Route im Hotelzimmer übertragen zu können.

Der Plan, die Route im GPS einzuprogrammieren scheitert kläglich, weil uns die Detailkarten zum Zielgebiet fehlen. Auch der Versuch die Route auf die Karte zu Übertragen erweisst sich als nicht einfach, nur mit dem Roadbook als unmöglich. Dank der Foto auf der Digicam gelingt es uns dann aber doch noch. Es wird mir aber klar, mit der Karte derart kleine Strassen zuverlässig zu finden wird mühsam werden. Ich fange an mich langsam mit der Gebrauchsanweisung des Roadbooks auseinander zusetzen und untersuche auch das Roadbook einmal genauer. Es scheint mir die vernünftigste Lösung zu sein es einmal mit dem Roadbook zu versuchen, auf die Karte kann ich ja immer noch zurückgreifen. Am Tag 1 bei einer erfahrenen Gruppe anhängen, so unsere Gedanken bevor wir einschlafen.

Als wir Tags darauf starten merke ich dass auch andere so gedacht haben und finde mich plötzlich an der Spitze der „Greenhörnerguppe“ wieder !! Also Gut, nun heisst es navigieren nach Roadbook! Eine Situation die für mich doppelt neu ist. wenn ich mit Slim alleine unterwegs bin, fährt meistens er mit seinem GPS vor und ich bin es gewohnt nach Karte zu fahren. Anfänglich fehlt mir das Vertrauen in die Angaben, aber nach ca. 50 km merke ich wie simpel das ist. Einfach die nächste Kilometerangabe im Roadbook lesen und dann den Kilometerzähler des Töff im Auge behalten. Ist die nächste Abbiegung noch kilometerweise entfernt kann auch der Navigator unbeschwert angasen, einfach immer der eingeschlagenen Strasse nach. Bis zum Abend des ersten Tages bin ich begeistert vom Fahren nach Roadbook. Viel schneller erkennt man an einer Kreuzung in welche Richtung es weitergeht, kein umständliches zurechtfinden auf der Karte! Einen Nachteil hat die Sache jedoch, ich hatte am Abend des ersten Tages keine Ahnung wo wir durchgefahren sind! Und die Karte ist unabdingbar wenn man sich trotzdem mal verfährt! Die ganze Alpenchallenge navigiere ich nun mit dem Roadbook, zur Sicherheit übertragen wir aber abendlich die Route auf die Karte, damit wir auch wissen welche schönen Gegenden wir durchstreifen.

Besonders gefallen hat mir die 2-te Tagesetappe, wir sind bei sonenschein ca. 70% auf nassen Strassen gefahren und am Schluss noch in ein heftiges Gewitter geraten. Trotzdem war die Stimmung in unserer Vierergruppe stehts super. Ich persönlich fahre gerne auf nassen Strassen, das Limit ist viel besser spürbar. Kleine gewollte Drifts bringen ein Vertrauen ins Motorrad wenn es dann einmal unverhofft auf trockener Strasse rutscht. Ich merkte an diesem Tag sehr gut wer die eigentlichen Schönwetter-Piloten sind und wer auch mal bei Regen seinen Töff bewegt.

Generell habe ich mich mit allen Teilnehmern gut verstanden, wir sind ja alle auch ein bisschen gleich „gaskrank“. Koni, Erika, Slim und ich haben uns interessanterweise gleich am ersten Abend beim Nachtessen gefunden. Zufällig sassen wird am gleichen Tisch zusammen mit den beiden Harley-Fahrern. Da wir als Letzte eintrafen wussten wir nicht wer mit welchem Töff angereist war, erst im Gespräch während des Essens fanden wir dies heraus.

Die Tagesettapen gestalten sich sehr kurvenreich und verlangen die volle Konzentration eines jeden. Denn Sturzräume gibt es meistens keine, und die Franzosen nutzen mit dem Auto häufig die ganze Piste. Wir fahren Pässe auf denen uns nur ein Auto entgegen kommt, dieses jedoch kommt mit Garantie auf der unserer Seite daher. Als Vorfahrer muss ich soviel Reserve haben um mit solchen Situation klar zu kommen. In der Verdon Schlucht erlebe ich dann auch das Extrembeispiel. In einer unübersichtlichen Kurve kommt mir ein Reisecar entgegen der die ganze Strasse braucht. Mir bleibt die Erkenntnis, dass meine Schreckbremsung funktioniert!

Generell ist es für mich faszinierend was heutige Serienmotorräder wegstecken und Tags darauf beim ersten Knopfdruck am Anlasser wieder funktionieren. Die Alpenchallenge stellt eine Extremanforderung an die Strapazierbarkeit von Fahrwerk, Bremsen, Reifen und Motor. Natürlich ist auch der Fahrer bis aufs Letzte gefordert, es ist wichtig sich einzugestehen wann die Konzentration nachlässt und eine Pause oder sogar eine Abkürzung angesagt ist. Mir selbst geht einmal auf einer Abfahrt auf den vom Gewitter heruntergefallenen Kastanien das Vorderrad weg. Die Strasse geht mir aus und nur dank dem fehlenden Strassengraben verläuft die Geschichte ohne Sturz. Ich bin froh kurz darauf bei Holgi den Arenalinstoss mit Wasser herunterspühlen zu können.

Holgi mit dem Begleitfahrzeug ist eine echte Hilfe auf der ganzen Tour, sein Wasser und die Visier-Reinigung ist immer willkommen. Vielen Dank an dieser Stelle an Holgi!

Auch Daniel und Michael unsere beiden Tourgides sind stehts gut gelaunt, ausser sie streiten mal wieder um die Motomorini……

Hat man genügend Sitzleder und verliert auch den Spass auf Holperpisten nicht und lebt so richtig auf in engsten Kehren ist die Alpenchallenge ein Erlebnis der unvergesslichen Art. Eines ist klar, die französischen Alpenstrassen bringen jeden Reifen nieder, jedes Fahrwerk zur Belastungsspitze, jede Bremse zum wimmern aber auch ganz viele Glückshormone zum Fliessen. Nach dieser Tour liebt man sein Motorrad noch mehr oder schaut sich nach einem Neuen um.

Domi

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Erfasst unter Reisen von domi am 12. September 2006 at 22:25.
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