Norditalien Auffahrt 2006

Bündnerland, Trentino, Vintschgau

Ein langer und schneereicher Winter liegt hinter uns, endlich kommt die gute Nachricht: die Pässe im Bünderland sind freigeräumt und auf das Auffahrtswochenende offen! Spontan beschliessen Philipp und ich Richtung Gardasee zu verreisen, wir freuen uns auf ein paar Tage Kurvenspass in Norditalien. Am Donnerstag morgen treiben wir unsere leicht bepackten Maschinen über dir Autobahn ins Bündnerland. Auf der Heidiland-Raststätte werden unsere Töff von einer Horde indischer Pauschaltouristen nicht nur mit den Augen begutachtet. Zu Glück hat Philipp einen lauten Auspuff, so haben wir keine Probleme aus der Menge wieder auf die Strasse zu kommen.

Wir verlassen die Schweiz via Lenzerheide, Julierpass und Berninapass nach Tirano. Nicht lange ist es flach schon bereitet uns der Passo di Aprica die erste italienische Kurvenfreude. Die Strasse nach Edolo ist gesperrt, an der Ampel vor der Umleitung geraten wir in eine grosse Gruppe Motorradfahrer. Im Pulk geht es über die Umleitung hinunter nach Edolo. Philipp und ich beschliessen hier die kleine Strasse nach Schilpario einzuschlagen, ein echter Leckerbissen für mich und meinen Toro. Die Strasse ist ein Auto breit, hat beidseitig einen weissen Strich zur Begrenzung und windet sich in unendlichen Kehren und Kurvengeschlängel aus dem Tal hoch. Nur Tannennadeln auf dem guten Asphalt bremsen mich ab und zu beim Striche mahlen an den Kurvenausgängen. Von Schilpario ziehen wir zurück nach Breno, wollen wir doch über den Passo di Croce Domini zum Lago d’Idro. Leider ist dieser aber wegen dem vielen Schnee noch geschlossen, der Tankstellenwart meint zwar : Versuchen! Mit dem Töff kommt man an der Barriere vorbei. Wir lassen es aber wegen der schon fortgeschrittenen Zeit sein und fahren Richtung Lago d’Iseo. Wir geraten in einen düsteren, langen und stinkenden Tunnel. Zuerst werden wir über die doppelte Sicherheitslinie von zwei italienischen BMWs überholt (im Tunnel ist 90, wir fahren gute 100!). Im gleichen Tunnel kommt uns dann noch ein Traktor mit zwei Anhängern entgegen. Philipp kriegt sich fast nicht wieder ein, in Italien geht eben vieles was bei uns nicht geht!

Die westliche Uferseite der Lago d’Iseo ist dann wieder wunderschön zu fahren. Steile Felswände, kurze Tunnels und das feine Asphaltband verläuft direkt am und über dem Ufer des Sees. Wir beschliessen in Iseo zu nächtigen und suchen ein Hotelzimmer. Eine nicht ganz leichte Aufgabe, wegen der guten Wetterlage im Süden, sind wir bei weiten nicht die Einzigen die hier ein Bett und eine erfrischende Dusche suchen.

Tags darauf fahren wir Richtung Gardasee, eine Strasse die viel zu schade ist um mit kaltem Motor vor dem Frühstück zu befahren. Ändern können wir es nicht und geniessen für einmal nur die schöne Landschaft. Es geht weiter nach Collio und zum Passo di Maniva. Oben am Passo die Maniva werden wir von einem Schneefeld zur Umkehr gezwungen. Wenigstens bringt uns eine 3 km lange Schotterpiste ins Val di Caffaro. Jetzt versuchen wir doch noch den Passo di Croce Domini zu bezwingen. Wegen Schneefeldern sind wir gezwungen zwei Offroadeinlagen dar zu bieten. Den deutschen GS-Piloten bleibt der Mund offen stehen als wir mit unseren abgefahrenen Strassenpneus durch den matschigen Abhang das Schneefeld um kurven. Oben auf dem Pass herrscht dann eine Art stillschweigende Anerkennung zwischen all jenen die es gewagt und auch geschafft haben. Wir gönnen uns eine Portion Spaghetti, (aus der offenen Wirtschaft, auf dem offiziell gesperrten Pass!) sie schmecken uns hervorragend.

Die Abfahrt am Passo die Croce Domini ist dann schneefrei und bereitet uns keine Mühe. Aber von unserem Ziel, dem Gardasee sind wir etwas abgekommen. Es kümmert uns nicht weiter, wir suchen kurzerhand andere verwinkelte Passstrassen. Finden tun wir diese von Lombro auf den Passo di Foppa. Die Strasse windet sich steil hoch aus dem Tal, auf dem Talrand führt sie dann über eine Kuppe. Was sich hier unseren Augen offenbart ist schier unglaublich: wie eine unberührte Märchenwelt liegt ein kleiner See eingebettet in einer saftigen Wiese. Wir steigen ab und sehen zweimal hin, ob im Wald hinter dem See eventuell doch Zwergenmützen zu sehen sind.

In Monno landen wir dann wieder auf einer breiten Strasse die uns über den Passo di Tonale führt. Das Terain wird uns schnell zu langweilig und wir beschliessen Meran über Nebenstrassen zu erreichen. In Cis stellen wir den Blinker und fahren Richtung Val d’Ultimo. Von Proves ins Val d’Ultimo führt eine apokalyptisch teuer sanierte Strasse. Links und rechts der Fahrbahn wurde mit nicht enden wollenden Betonverbauungen nicht gegeizt. Wir fragen uns nach dem Grund, eine derart schlecht frequentierte Strasse so auszubauen, finden aber keine Antwort. Wir stehen an der Kreuzung im Val d’Ultimo und studieren die Karte als ein enormer Zweitaktlärm zu uns dringt. Es erscheint ein Roller, frisiert nach bestem Wissen der Kunst, die ganz hohe Schule. Vom Fleck kommt er aber trotzdem nicht, vielleicht zieht der Fahrer deswegen mit einen völlig teilnahmslosen Gesichtsausdruck an uns vorbei den Berg hoch. Wir hören die Drehzahl rapide sinken und schliesslich wird das Geräusch vom ersten Tunnel ganz verschluckt. An der gleiche Kreuzung erscheint kurz darauf ein zweites, typisch italienisches Fahrzeug: ein voll aufgemotztes Zweitackt-Dreirad. Diesmal ist die eingebaute Stereoanlage deutlich lauter als der Motor, zudem können sich die Frontschürze und der Spoiler sehen lassen. Beachtenswert sind auch die auf der Hinterachse montierten hochglanzpolierten Gokartfelgen. Am meisten ergötzen wir uns aber an den zwei etwas festen Italienern die in der Fahrerkabine eingepfercht sind und ihr Fest feiern.

Angetan vom Charme italienischer Fortbewegungsmitteln beschliessen wir in Lana zu nächtigen. Nach langer Suche finden wir bei Privatleuten eine nette Bleibe für die Nacht.

Am nächsten Morgen folgt die anfänglich Nervenaufreibende Heimreise. Im Vintschgau herrscht Auffahrtsheimreiseverkehr, auch zahlreiche Überholmanöver bringen nicht den gewünschten autofreien Asphalt. Am Ofenpass beginnt es dann zu regnen und wird empfindlich kalt. Am Flühla ist es so kalt, dass ich glaube zum Teil über Eisflächen zu rutschen. Die Passhöhe ist in dicken Nebel gehüllt und meine Finger sind taub von der Kälte. Noch besser kommt es am Klausenpass, hier wird noch Ski gefahren auf der Passhöhe! In Altdorf entschliesse ich mich über die Autobahn dem warmen Bad zu Hause entgegen zu fahren.

Leider gibt es nicht viele Bilder von der Tour, aber bei 1380 km in 3 Tagen bleibt nicht viel Zeit zum Fotografieren…….

Dominik & Philipp

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Erfasst unter Reisen von domi am 26. May 2006 at 22:58.
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