Nordspanien im Herbst 2008

Reisetelegramm Baskenland, Kantabrien, Asturien, Galicien und Massiv Central (F)

05.09.2008

Autobahn bei wunderschönen Wetter ohne Probleme nach Genf. Ankunft sehr warm und gemütlich.

06.09.2008

Ankunft in Biarritz mit dem Autozug bei sintflutigem Regen. Wenig geschlafen wegen nächtlichem Plaudertaschenzustieg in unser 6er Abteil. Start Töfftour bei Regen und grauem Himmel, ab Irun (E) nur noch zeitweise Regen. Fahrt über die Küstenstrasse nach San Sebastian (Fotohalt). Strasse von Zarautz nach Ondarroa wie im Schwarzwald mit zusätzlicher Meersicht. Übernachtung in Jugendherberg von (Plentzia) Gorlitz.

07.09.2008 Gorlitz – Cangas de Onis

Besuch im Bilbao: Museum Guggenheim. Der Anblick der Architektur ist genial, die Titanhülle glänzt im Sonnenlicht wie eine Metallblume. Wir fahren vor Laredo, parallel zu der Atlantikküste in eine schöne Sandbucht. Umfahrung Sandandor über Cabazòn de la Sul, Puentenansa – Panes wunderschöne Carreterra sinuosa über 3 Coll Schluchten (es sieht aus wie im Maggia Tal).

Panes Richtung Cangas de Onis, flüssige Strasse durch ein grünes saftiges Tal.

08.09.2008 Cangas de Onis – La Caridad (Valpares)

Von Cangas de Onis im morgenlichen Nebel fahren wir Richtung Cordillera de Sueve, auf dem Pass erwartet uns eine herrliche Aussicht ins gebirgige Hinterland und Atlantik. Die Strasse ist kurvenreich, gut Asphaltiert und wenig befahren; ein Traum für jeden Töfffahrer.. Auf dem Weg nach Colunga haben wir plötzlich ein Pferd im gestreckten Galopp neben uns (Pferde weiden hier ohne störende Zäune). Wir folgend der Carretera 632 bis Gjòn, welches wir besuchen. Wir irren durch die Grossstadt bis wir an die Strandpromenade finden. Hier wird, trotz frischen 22 Grad, gebadet. Wir nehmen kurz die AS-19 bis Aviles, eine Industrie- Hafenstadt besonders stinkender und hässlicher Art. Schnell fahren wir weiter, nun wieder auf der Carretera 632. Die noch nicht entsorgten alten Strassenschilder wollten uns noch etwas in die Irreführen. Doch finden wir schnell heraus, dass die Strasse neu gebaut wurde, jedoch einzelne Schilder noch nicht entsorgt wurden.

Ein Abstecher nach Candillero führt uns in ein malerisches Fischerdorf, eine schmale Bucht mit kleinen farbigen Häuser bis hoch in den Hang hinauf. Die Carretera 632 wird bei Norettane bis Busto nochmal ein Kurventango-Hochgenuss. In Navia überspannt ein altes Viadukt den Fluss der hier in Meer mündet. Wir nächtigen in der Nähe von La Laridad einem weiteren Fischerdorf, dass wie an einem Fijord gelegen erscheint, geschützt vom Atlantik.

09.09.2008 Valpares – Vimianzo

Fahrt auf der N634, 8 km nach Ribadeo besuchen wir den Playa as Catedrales. Die Steilküste ist hier vom Meer Kathedralenartig ausgehölt, bei Ebbe sind die natürlichen Höhlen über dem Sandstrand zugänglich. Leider ist bei unserem Besuch gerade Flut, und uns bleibt das Begehen der Höhlen verwehrt. Über die N642 erreichen wir Ceros, Viveiro, Ortigueira und schliesslich Gedeira. Die Strasse zwischen den Orten führt jeweils durch dichte Eukaliptuswälder, es durftet erfrischend gut. Gedeira liegt wie an einem Fijord im Wald, mit dem wechselhaften und kühlen Wetter fühlen wir uns wie im Norden. Bei Ferrol beginnt schon die Vorstadt von A Corûna, wir flüchten auf die Autobahn um vorwärts zu kommen. Unfreiwillig werden wir direkt im Zentrum der Grossstadt ausgespuckt – schnell weiter Richtung Carballo. Dies ist jedoch leichter gesagt denn gefahren. A Corûna stinkt und raucht zum Himmel, die Augen brennen uns. Wir nehmen Kurs auf das „tote Land“ wie der Nordwestlichste Zipfel Spaniens genannt wird. In Vimianzo schlagen wir unser Nachtlager auf.

10.09.2008 Vimianzo – Villafranco del Bierzo (400 km)

Im kalten Morgennebel der Küste entlang (N550) Cû, Ezaro, Louro nach Muros, Muros komplet im stockdichtem Nebel eingehüllt, es lässt sich nur erahnen, wie hübsch es währe.

In Noia entschliessen wir uns die Fahrttechnisch unspektakuläre Küstenstrasse Richtung Santiago zu verlassen. Durch Santiago d.c kommen wir ohne Verfranser Richtung Melide (N547). In Guntin fahren wir nach Rio, verpassen aber die Tankstelle und müssen später ein Stück zurückfahren um 17,5 Liter in unser 18 l Tank füllen zu lassen, nochmals gut gegangen!! Nach Sarria wird die Strasse entlich eng und kurvig. Aber ein wenig holprig. In Becerrea biegen wir nach Villafranco de Bierzo ab (NVI). Ab Santiago d.c verläuft unsere Route häufig entlang des berühmten Jakobsweg „Camino de Santiago“, wir sehen den ganzen Tag Pilgerer, Wanderer und Biker die den traditionellen Pfad verfolgen.

11.09.2008 Villafranco del Bierzo – Congas de Onis

Der Tag beginnt regnerisch. Vor Villablinz wir der Regen so stark, dass wir beschliessen uns beim einem Tee aufzuwärmen. In der nächsten Bar – etwas heruntergekommen- sitzen wir hemmungslos und klitschnass auf die abgenutzten Ledersessel.

Die Strasse nach Los Bayos und den 1434m hohen Pass ist leider gesperrt (wahrscheinlich wegen den heftigen Regenfällen). Wir fahren über die 623 – 626 nach La Robla. Hier produzieren zwei AKW’s Wolken und Strom für Spanien. Die Betriebskantine verköstigt uns hervorragend. Danach geht es weiter zum Embalse de Riano, ein immens grosser Stausee den wir über eine eindrückliche Brücke überqueren. Abermals müssen wir uns bei einem Tee aufwärmen, es regnet immernoch oder wieder und ist kalt. Zudem sind wir immernoch auf 1100m.ü.M. Unser Tagesziel Cancas de Onis liegt am Ende der Rio Sella – Schlucht, uns steht noch eine Anspruchsvolle Fahrt bevor. In der Schlucht ist es sensationell schön, nur muss ich mich auf die engen Kurven, die Steine auf der Strasse und den Gegenverkehr konzentrieren. Gegenverkehr gibt es nicht viel, aber wenn, dann immer kurvenschneidend auf unserer Seite, eine typische Südländische Sünde.

13.09.2008 Cangas de Onis – Pancorbo

Im kalten Morgennebel fahren wir nach Panes, das Wetter muss sich noch entscheiden was es will, uns wäre etwas Sonne nach den verregneten letzten Tagen recht. Entlang des Rio Deva wird das Tal immer enger und immer schöner. Wir bleiben auf der AC627 und kommen über die kurvenreiche und gute Piste zum „Pierto de Piedrasluengas“ Aussichtspunkt. Uns ist auf den 1350 m.ü.M. kalt darum geht es schnell weiter. Die Strasse nach Villanueva de la Nia suchen wir etwas länger, ausnahmsweise ist sie schlecht ausgeschildert. Der Fahrerische und Landschaftliche Höhepunkt zum Schluss ist die Fahrt von Ruerrero nach Pesquerra de Ebro. Der Ebro Canyon ist sehr eindrücklich , genial dass man zuerst unten im Canyon fährt, sich dann die Flanken hochschraubt um dann abermals wieder bis zum noch jungen Ebro herunter zu kommen. Richtig idyllisch wirkt das Dorf Pasquerra de Ebro, die Gassen sind so Eng, dass wir kaum mit dem Motorrad hindurch passen. Genial auch die Brücke, die am Ausgang des Dorfes über den Ebro führt, wahrscheinlich ist sie genau so alt wie der Ebro selbst. Ach ja das Wetter: wir hatten den ganzen Tag keinen Regen (mussten ihm zum Teil davon fahren) dafür auch nicht wirklich warm. Aber gegen Kalt kann man bekanntlich etwas machen: schneller fahren damit der Pneu schön warm bleibt natürlich!

14.09.2008 Pancorbo – Jaca

Kalte Morgenfahrt bei schlechtem Wetter nach Miranda de Ebro, Vitoria Gasteiz nach Estella. Hier kommen wir endlich wieder in den Genuss von schönem Wetter und Rückenwind. Bis Tafalla stehen unzählige Windräder auf den Kreten, die mit dem gebotenen Wind viel Strom erzeugen. Bei Sanguess verlassen wir die A132 und fahren nach Javier. Hier gibt es eine schöne Burg zu sehen. Unsere Reise geht weiter entlang des Embalse de Yesa ein Smaragdgrüner Stausee am Rand der Pyrenäen. Um das schöne Wetter noch etwas Auszunutzen, fahren wir noch eine kurvenreich Zusatzrunde: Bei Sigues ab ins Val de Roncal, in Roncal richtung Anso, dort richtung Hecho und entlang des Rio Aragon Subordan nach Puente a Reina. Jetzt ist es ein leichtes Jaca zu erreichen und noch in der Abendsonne geniessen wir ein Feierabendbier.

15.09.2008 Jaca – St Lys

Über den Pic de Midi verlassen wir Spanien und gelangen nach Frankreich. Die „grand Nation“ empfängt uns -wie könnte es anders sein- mit meinen heissgeliebten „gravillions“. Ich begreife bis heute nicht, warum es in einem Land mit derartigem Verloentusiasmus (der Pass cole du Portillion wird mit speziellen Schildern als Velopass angepriesen) nicht längst ein Aufstand gegen das „stupide Splitt auf defekte Strassen schütten“ gegeben hat. Uns jedenfalls verleidet die Splittfahrerei nach dem Cole du Soulor und wir ziehen Richtung Lourdes, dem Weltbekannten Pilgerort. Über Mauvezin, Montréjean und Boulogne sur Gresse erreichen wir St Lys. Die Strasse gibt zur Rechten häufig den Blick auf die bereits verschneiten Pyrenäen frei. Auch schön sind die Fahrten durch die unzähligen Ahornaleeen vor St.Lys.

16.09.2008 St Lys – l’ Habitarelle

Heute fahren wir den ganzen Tag entlang der Tarn. Bei Millau gibt es den 343 m hohen Viadukt der A75 zu bestaunen, eindrücklich was mit modernem Stahl-Beton kombination möglich ist. Bei le Rozier gelangen wir in die Schlucht Gorges du Tarn, ab jetzt machen wir alle fünf Minuten einen Fotohalt. Die Strasse führt durch natürliche Tunnels und enge Kurven immer tiefer in die Schlucht hinein. Der grosse Renner scheint hier die Kanufahrt auf der Tarn zu sein, hunderte von Schildern preisen ein solches Abenteuer an. Bei Ispaniac verlassen wir die Tarn und wechseln auf die N106 richtung Mende. Eigentlich wäre es Zeit eine Bleibe für die Nacht zu finden, nur erscheint uns Mende nicht so einladend und wir fahren weiter. Immer noch im Massiv Central auf 1200 m.ü.M. wird es schnell kalt wenn die Sonne weg ist. So sind wir froh in l`Habitarelle ein schon bessere Tage sehendes Zweisternhotel zu finden, und: es hat sogar einen Pool!

17.09.2009 l’ Habitarelle – Zunzgen

Im Morgennebel bei frostigen 5 Grad auf geht die Sonne früh auf. Nach dem Frühstück hat die Sonne bereits die ersten Nebelbänke gefressen, es wird ein schöner aber kalter Tag werden. Nicht so schön sieht unser Hinterreifen aus, auf den Flanken ist kein Profil mehr zu finden, links sieht er wie ein Slik aus. In le Puy en Velay gibt es einen Honda Händler, er bestätigt mir meinen Verdacht: Die Strassenbeläge in Massiv Central sind extrem abrassiv. Dazu kommen die schnellen und übersichtlichen Kurven, die kräftiges herausbeschleunigen aus Schräglage geradezu fordern. Der Preis dafür: Mein Z6 ist nach 2 Tagen Frankreich so am Ende (natürlich hatte er auch in Spanien keine Schonzeit), dass mit einer Busse von 90 Euro gerechnet werden muss. In der Schweiz wäre wohl der Scheck gefährdet wenn ich mit einer solchen Pelle vor der Rennleitung aufzukreuzen würde. Nach 40 Minuten haben wir einen neuen Finken montiert und wir treten die Heimreise definitiv an. Noch einmal eine geniale Strasse nach Bourg Argental, dann Serrieres und Voiron wo es flach wird. In Chambery entscheiden wir uns über die Autobahn bis nach Hause zu fahren. Morgen soll es wieder regnen, wir sind nach dem erlebten Wetterkapriolen nicht mehr scharf darauf und ziehen die Fahrt durch.

Zuhause stehen für den letzten Fahrtag 624 km auf dem Zähler, 8 Stunden im Sattel! Total haben wir 3981 km abgespult und einmal mehr bewährt sich unser Schlachtross ohne Pannen und Probleme die Tour gemeistert zu haben. Nur eine gründliche Reinigung hat er nötig so wie eine neue Kette ist wohl fällig.

Tinchen & Domi


 

 

Tags: ,

Erfasst unter Reisen von domi am 25. September 2008 at 23:00.
Schreib einen Kommentar
Letzter Beitrag:  

Share

Noch keine Kommentare

Auf dieser Seite kannst Du einen Kommentar hinterlassen.


Hinterlasse eine Nachricht